Mehr ist 1300 Jahre alt

Es ist das Testament des Grafen Ebroin. Als Hausmeier war er ein mächtiger Mann im Frankenreich, und zu seinen riesigen Besitzungen gehörte auch ein großer Teil des Düffelgaus.

In Dei nomine. Ego Ebroinus comes … pro remedio anime mee seu dilectissime coniugis mee Theodelinde dare disposui hoc est ad basilicam beati Petri … que constructa est in loco rhinarim in pago dublensi super fluvio rheno, ubi nunc dominus pater & pontifex Willibrordus episcopus custos esse videtur …

Im Namen Gottes schenke ich, Graf Ebroin, … zum Heil meiner Seele und der Seele meiner lieben Frau Theodelind an die Basilika des hl. Petrus, … die in dem Ort Rindern im Gau Düffel am Rhein erbaut ist, wo jetzt Willibrord Herr, Abt und Bischof ist …

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Dann folgt im Einzelnen, was er schenkt: Es sind Besitzungen in den Dörfern nitro = Nütterden, dangaesbroch = Donsbrüggen, Rinhari = Rindern, millingi = Millingen, meri = Mehr u. a. in villa nostra meri casatum cum uxore & infantibus & portionem silve.

In unserem Landgut Mehr einen Käter mit Frau und Kindern und ein Stück Wald, aus Mehr, Donsbrüggen und Rindern gehörte jeweils ein Stück Wald (silva) dazu. Vermutlich handelte es sich um ein großes Stück, was sich über die drei Dörfer erstreckte. Vielleicht ist es der Eichenwald gewesen, der dem Eckenschen Hof zwischen Mehr und Donsbrüggen den Namen gegeben hat.

„villa“ bedeutet ursprünglich Haus, Landhaus oder Landgut. Als die vormals Leibeigenen mit ihren Familien in eigenen Katen auf einem Grundstück des Landgutes wohnten, bildeten sich aus den Gütern Dörfer. Von da an wandelte sich auch die Bedeutung des Wortes villa in Dorf. In dieser Bedeutung wurde es auch ins Englische übernommen: village = Dorf.

Wie sahen die Düffeldörfer vor 1300 Jahren aus? Sie bestanden nur aus wenigen Landgütern, die von einigen Katstellen umgeben waren. Nur Millingen und Rindern hatten schon eine Kirche.

 

Quelle: Friedrich Gorissen: Rindern, Kleve 1985